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Bewerbung um den
Berliner Präventionspreis 2006 Psychische Gewalt
Landeskommission Berlin gegen Gewalt
c/o Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport
Beuthstr. 6-8
10117 Berlin
Berlin, Juni 2006
PSI-21 [POLITIK, SCHULE und INTERNET im AGENDA 21-Prozess]
„Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf!“
(Afrikanisches Sprichwort)
Das Projekt PSI-21 befindet sich in der Planung und soll zukünftig in die Trägerschaft der als Bürgerstiftung konzipierten Gattel-Stiftung i.G. übergehen, um auf Dauer institutionell abgesichert zu sein.
Jugendliche erhalten während ihrer Sozialisationsphase (im Alter zwischen 12-18 Jahren) die Möglichkeit sich aktiv in reale, politische und gesellschaftliche Entwicklungs- und Gestaltungsprozesse einzubringen. Jede/r Jugendliche lernt sich dabei selbst als einen „ernst zu nehmenden Teil“ dieser Gesellschaft kennen.
Zugleich wird so – ganz nebenbei – die Fähigkeit zu komplexem Denken – unserer wichtigsten Zukunfts-Ressource – (mit-)geschult.
Das Projekt richtet sich an Schulklassen und Lehrer, die zur Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Schulklassen und Lehrern bereit sind und nicht vor der Möglichkeit zurückschrecken, anstatt in simulierten „als-ob-Situationen“ grundlegende und prägende Erfahrungen anhand realer (komplexer) Zusammenhänge zu machen.
Je nach Klassenstufe und entsprechend des Lehrplans kann PSI-21 auf kommunaler, regionaler, nationaler sowie internationaler Ebene eingesetzt werden.
Leider gelang es bisher noch nicht, das Projekt zur praktischen Umsetzung in Berlin zu führen, sodass das Projekt – nach wie vor – vor seiner Pilot-Phase steht.
Begründung:
Es bestehen große Unterschiede bezüglich der strukturellen Voraussetzungen in den einzelnen Schulen und Bezirken, wie auch der Verläufe der Lokalen Agenda21-Prozesse.
Auch der Kontakt zu den potenziellen Kooperationspartnern in den einzelnen Bezirken ist natürlich sehr unterschiedlich.
Leider ergab sich bisher noch in keinem Bezirk eine Situation die stabil genug war, um als Chance zur praktischen Umsetzung dieses Pilotprojektes bewertet werden zu können:
· (+) In einigen Bezirken gibt es Entwürfe zur Lokalen Agenda 21,
· (–) in anderen noch nicht.
· (+) Die SPD-Fraktion der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf hat dem dortigen Jugendparlament das volle Antragsrecht eingeräumt,
· (–) in anderen Bezirken konnten keine Jugendparlamente eingerichtet werden, weil sich keine Jugendlichen bereit fanden, sich als Kandidaten aufzustellen.
· (?) In einem weiteren Bezirk ist die Partizipation der Jugendlichen nicht über Jugendparlamente, sondern als „Anhörungsrecht“ im Jugendhilfeausschuss vorgesehen.
· – usw.
In der Vergangenheit habe ich offensichtlich den Aufwand, den es kostet, die zu beteiligenden „Wunsch-Partner“ aus Politik und Schule miteinander zu koordinieren und zu synchronisieren unterschätzt, bzw. lag wohl in der Annahme, dies könne durch die „Anregung“ einer einzelnen Person geschehen, eine naive Selbstüberschätzung vor. Niemand kann durch einen anderen vernetzt werden. Der Vernetzungsprozess muss auf der Eigeninitiative der potenziellen Netzwerkpartner basieren.
Mit den neuen Berliner Rahmenlehrplänen und dem darin formulierten Ziel einer verbesserten Kompetenzförderung der Schüler und der Öffnung der Schulen nach Außen, verknüpft sich jedoch die Hoffnung, dass sich zukünftig das Interesse und die Nachfrage für das Projekt PSI 21 stärker entfachen wird als bisher.
Als Quelle „psychischer Gewalt“ betrachte ich die Missachtung der „Ausstattung des Menschen“ (Rupert Riedl) oder – in meinen Worten – den kompensatorischen Ausgleich unserer unbewussten „sozialen Bedürfnissen“, auf welche wir keine gesellschaftliche Resonanz verspüren. In kleinen Gruppen kommt es zu einem positiven Wechselspiel von „Handlungs-“, „Kommunikations-“ und „Sozialkompetenzen“, also einer sich gegenseitig verstärkenden Entfaltung unserer „soft-skills“, wie diese gern neudeutsch genannt werden.
Unter dieser (eher hausgemachten, „praktisch-vereinfachenden“) „Modell-Annahme“ gehe ich davon aus, dass unser „bio-chemisches Belohnungssystem“ darauf ausgerichtet ist, uns dann mit „flow“ und „empowerment“ zu beglücken, wenn es uns gelingt diese drei Bereiche in ein optimales Wechselspiel zwischen dem Einzelnen und der Gruppe zu versetzen.
Im Interesse des gemeinsamen Erfolges einer (kleinen) Gruppe ist dies auch gut so, denn welches „Setting“ wäre besser in der Lage, zunächst in kreativer Weise mit Lösungsansätzen auf komplexe Probleme zu reagieren und sich zugleich ermächtigt zu fühlen, diese anschließend auch gemeinsam handelnd umzusetzen?
In größeren Zusammenhängen verliert die Gruppe wie auch der Einzelne an Wichtigkeit für einander. Und in unseren sozialen Mega-Strukturen löst sich das Gefühl für Verantwortung für das „Ganze“ zuletzt fast vollständig auf.
Das „Einfache“, das jedoch mitunter schwierig zu Machende, läge nun darin, diese „ideale (Klein ) Gruppensituation“ für die sozialen Metha-Ebenen unserer Massengesellschaft so zu „konstruieren“ und in einer Weise aufeinander zu beziehen, dass sich diese künstlichen „Handlungsrahmen“, „Sozial-Räume“ und „Kommunikationsstrukturen“, gemessen am jeweils aktuellen technischen Standard, für eine möglichst große Anzahl von Menschen als der ihren „sozialen Bedürfnissen“ als am besten angepasste wahrgenommen werden können. Anders gesagt, alle sollten sich mit geringem Aufwand und in fairer Weise am Demokratie-Prozess beteiligen und sich innerhalb dieses Prozesses als „gleich, frei und ‚geschwisterlich‘,“ wahrnehmen und empfinden können.
Für uns Erwachsene ist dies jedoch gerade deshalb so „schwierig zu machen“, weil unsere „gefühlte soziale Verantwortung“ bereits das Ergebnis einer Prägephase ist, welche wir ca. im Alter zwischen 12-18 Jahren durchliefen. In der Schule werden Schüler, während ihrer Sozialisationsphase, in der Regel eher davon abgehalten, als dazu motiviert, sich politisch, lösungs- und handlungsorientiert mit den komplexen Problemen der realen Gesellschaft auseinander zusetzen.
Da diese (geprägte) Sozialisation sozusagen den „Filter“ unserer Wahrnehmungen und damit unseres Urteilsvermögens bildet, gehört sehr viel Mut dazu, den Sprung über den eigenen Schatten ins „Unbekannte“ Terrain hinter unser Bewusstsein und zugleich „mehr Demokratie“ zu wagen!
Um in Zukunft die gesellschaftliche Kommunikation zwischen den Bürgern und den Parteien zu optimieren schlage ich vor, die Rolle/Funktion der bürgerschaftlichen Strukturen, wie beispielsweise von „Bürgerstiftungen“, die bisher ausschließlich auf „wellfare“ abonniert zu sein scheinen, weiter zu entwickeln, mit dem Ziel sie zukünftig zu Trägern politischer Beteiligungsverfahren zu machen.
Bürgerstiftungen hätten dann den Status der Überparteilichkeit, wären finanziell unabhängigen und dem zivilgesellschaftlichen Gemeinwohl verpflichtet.
Sie könnten dadurch den Bürger zu einer positiveren Selbstwahrnehmung verhelfen und so die Macht-, Vertrauens- und Kommunikationsdefizite zwischen Bürgern und Parteien beheben.
Der Artikel 21 GG: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit“, würde zur erlebbaren Realität für die Bürger. Dies führte nicht nur zur gegenseitigen Entlastung der „üblichen Verdächtigen“, sondern vielleicht sogar zum „Beginn einer langen Freundschaft“, – also doch noch zu einem „Happy End“ zwischen Bürgern und Parteien.
Innerhalb solcher an unseren sozialen Bedürfnissen anstatt an Geld und Macht ausgerichteten gesellschaftlichen Strukturen könnten mehr Menschen zu einer besseren inneren Balance finden.
Es lastete somit weniger Leidensdruck auf der Gesellschaft, der nicht mehr wie heute noch üblich, kompensatorisch, in Form von psychischen oder physischen Gewalt-Kaskaden „nach unten“ weiter geleitet werden müsste.
ANHANG:
1.) PSI-21 / Politik Schule Internet im Agenda21-Prozess
http://www.psi-21.de/
und mit zeitlicher Verzögerung
2.) dann auch für die Erwachsenen
>Die Parteien dialogfähig machen<
http://www.gattel-stiftung.de/de/040_perspekiv.html
1_*) PSI-21 / Politik Schule Internet im Agenda21-Prozess
http://www.psi-21.de/
2_*) Gattel-Stiftung
–> http://www.gattel-stiftung.de
–> [Frau Anni Wolff (94), die Tochter von Richard Gattel,
kommt Ende August auf Einladung der Genossenschaft
Prinzenallee 58 zur 25-Jahrfeier nach Berlin.]
3_*) Fernweh (Migranten)
„Die „Gruppe 65“, ein Zusammenschluss von Rollstuhlfahrerinnen aus den umliegenden Häusern und der Umgebung trifft sich wöchentlich im Nachbarschaftshaus. Sie organisiert das Projekt „Fernweh“, eine Veranstaltungsreihe mit Filmen, Vorträgen, Kultur und Speisen aus unterschiedlichsten Ländern. Dabei kommt es auch zu Begegnungen mit Angehörigen kultureller Minderheiten, die in Berlin leben.“
[aus: Berlin Tour 3, WEDDING –Wege zu Geschichte und Alltag eines Berliner Arbeiterbezirkes, Stattbuchverlag 1990]
„Insbesondere sollte die Stiftung die Durchführung von kulturellen Veranstaltungen in Form von Veranstaltungsreihen fördern, die alle Aspekte umfassen können, die dazu geeignet erscheinen, anderen die eigene Kultur (Heimat, Politik, Wissenschaft, Kunst, Geschichte usw.) zu vermitteln.
Die Verteilung der Kompetenzen sollte so angelegt sein, dass der jeweiligen Kulturgruppe möglichst viel Handlungsspielraum zur Verfügung steht, ihre künstlerischen Ideen durchzuführen“
http://www.gattel-stiftung.de/dl-ordner/qm-antrag_buergerstiftung.pdf
[aus dem Brief an den Kreiskirchenrat Wedding vom 1.09.1989]
4_*) Die Parteien dialogfähig machen
http://www.gattel-stiftung.de/de/040_perspekiv.html
5_*) Die Beschäftigungsumlage
(reflexive Beschäftigungssteuer)
http://www.gattel-stiftung.de/de/040_perspekiv.html